Medizin-Nobelpreis für den Kampf gegen Parasitenkrankheiten


STOCKHOLM - Der Medizin-Nobelpreis geht in diesem Jahr an drei Wissenschaftler für die Erforschung von Malaria, Flussblindheit und Elefantiasis. Sie hätten die Behandlung einiger der gravierendsten Parasitenerkrankungen "revolutioniert", teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit.

Die eine Hälfte des Preisgelds erhält die Chinesin Youyou Tu. Die andere Hälfte teilen sich der gebürtige Ire William C. Campbell und der Japaner Satoshi Omura. Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist mit umgerechnet 929'000 Franken (8 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert.

"Krankheiten, die durch Parasiten verursacht werden, plagen die Menschheit seit Jahrtausenden und stellen ein grosses und globales Gesundheitsproblem dar", hielt das Nobelpreiskomitee fest. "Diese Krankheiten betreffen die Ärmsten der Welt und sind eine enorme Barriere für Gesundheit und Wohlstand."

Würmer

Campbell, 85, und Omura, 80, entdeckten mit Avermectin eine Leitsubstanz gegen parasitische Würmer. Derivate der Substanz hätten das Vorkommen der Flussblindheit und der Elefantiasis radikal gesenkt und auch gegen andere parasitäre Krankheiten Wirkung gezeigt, erklärte das Nobelpreiskomitee.

Erreger der Flussblindheit oder Onchozerkose sind Fadenwürmer namens Onchocerca volvulus. Sie werden beim Stich von Kriebelmücken übertragen. Die Krankheit führt zu chronischen Entzündungen von Haut und Hornhaut und führt bei jedem zehnten Erkrankten zur Erblindung.

Die Elefantiasis oder lymphatische Filariose wird von anderen Fadenwürmern verursacht. Sie lösen einen Lymphstau aus, der zu einer extremen Vergrösserung und Verhärtung der Haut an den Beinen oder Geschlechtsorganen führt. Betroffen sind nach Angaben des Nobelkomitees über 100 Millionen Menschen weltweit.

Malaria

Die 84-jährige Chinesin Youyou Tu ist die "Mutter" des Malariamittels Artemisinin, das die Sterblichkeit von Malariapatienten signifikant verringert hat. Sie arbeitete mit Extrakten aus der Beifusspflanze, die seit Jahrtausenden in China in Verwendung ist, auch als Malariamittel.

Der Wissenschaftlerin gelang es schliesslich erstmals, mit Artemisinin einen Wirkstoff zu erzeugen, den der menschliche Körper leichter aufnehmen kann und der somit für die Behandlung der Malaria geeignet ist.

Malaria wird durch den Stich der Anopheles-Mücke übertragen. Nach neuesten Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom September gab es in diesem Jahr rund 214 Millionen Neuerkrankungen, etwa 438'000 Menschen starben daran. Die meisten Opfer sind afrikanische Kinder. Es gibt derzeit keine Impfung.

Youyou Tu ist Chef-Professorin an der Chinesischen Akademie für Traditionelle Chinesische Medizin und die zwölfte Frau, die den Nobelpreis für Medizin erhält. Campbell ist emeritierter Forschungsstipendiat der Drew Universität in Madison (US-Staat New Jersey), Omura emeritierter Professor der Kitasato-Universität in Japan.

Ehre den Mikroorganismen

Der japanische Preisträger Satoshi Omura hat die Ehre mit grosser Bescheidenheit aufgenommen. "Ich dachte 'Darf ich es wirklich sein!?'. Denn vieles habe ich ja von den Mikroorganismen gelernt. Es wäre angemessen, wenn man ihnen den Preis verleihen könnte", sagte der 80-Jährige am Montagabend (Ortszeit) dem japanischen Fernsehsender NHK.

Im vergangenen Jahr erhielten das norwegische Ehepaar May-Britt und Edvard Moser sowie John O'Keefe (USA/Grossbritannien) die Auszeichnung für die Entdeckung eines Navis im Hirn: Sie fanden grundlegende Strukturen unseres Orientierungssinns.

Am Dienstag und Mittwoch werden die Träger des Physik- und des Chemie-Nobelpreises benannt. Die feierliche Überreichung findet traditionsgemäss am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.


05.10.2015 - SDA

News

Newsletter